Standing Up for Whom? A Social Identity Model for Targets’ Confrontation of a Discriminatory Incident

Munder, Anja K. GND

Die vorliegende Dissertation beschäftigt sich mit dem Phänomen der verbalen Konfrontation als Reaktion auf eine interpersonelle Diskriminierung. Bisherige Forschung hat Konfrontation als individuell motiviertes Coping-Verhalten der von der Diskriminierung betroffenen Person betrachtet. Dabei wurde davon ausgegangen, dass die betroffene Person die negativen Auswirkungen von Diskriminierung auf individueller Ebene wahrnimmt und daher versucht, die eigene Situation mittels Konfrontation zu verbessern. In aktuellen Ansätzen wurde diskutiert, dass sich eine Diskriminierung jedoch dadurch auszeichnet, dass nicht nur das betroffene Individuum einen persönlichen Nachteil erfährt, sondern dass gleichzeitig die soziale Gruppe als Ganzes abgewertet wird. Somit ist die von der Diskriminierung betroffene Person zusätzlich durch diese gruppenbezogenen Auswirkungen betroffen und sollte daher bei der Konfrontation ebenfalls motiviert sein, mit diesen Auswirkungen umzugehen. Basierend auf Ansätzen zur Sozialen Identität wird Konfrontation in einem neuen Modell als Resultat unterschiedlicher motivationaler Prozesse beschrieben: 1) individueller Umgang mit den individuellen Auswirkungen der Diskriminierung, 2) Umgang mit der Abwertung der Gruppe als Form von Collective Action, 3) Umgang mit der Abwertung der Gruppe, indem die Person sich von der Gruppe distanziert. Dieses Modell wird in fünf korrelativen und vier experimentellen Studien geprüft, welche in drei Manuskripten beschrieben werden (NsManuskript #1 = 401/330/221/207/288; NsManuskript #2 = 241/284; NsManuskript #3 = 260/264). Sämtliche in der Dissertation beschriebenen Studien folgen Open Science-Prinzipien: die Stichprobenumfänge wurden vorab (durch Poweranalysen) bestimmt, die Studien sind präregistriert; eventuelle Abweichungen von den Präregistrierungen werden begründet und transparent gemacht. Materialien, Daten, Analyseskripte und –outputs werden auf entsprechenden Plattformen öffentlich zur Verfügung gestellt. In Manuskript #1 wird anhand von fünf Online-Szenariostudien eine Konfrontationsziel-Skala als Operationalisierung der unterschiedlichen Prozesse entwickelt. Dabei liefern die fünf Studien über verschiedene Stichproben, Kontexte, soziale Gruppen und Sprachversionen hinweg Hinweise, dass sich die drei Zielbereiche individueller Nutzen, Gruppennutzen und Distanzierung strukturell unterscheiden; korrelative Zusammenhänge mit anderen Konstrukten (Identifikation mit der Gruppe, Disidentifikation von der Gruppe, weitere Collective Action-Intentionen) zeigen zudem an, dass das Verfolgen der jeweiligen Ziele jeweils unterschiedliche psychologische Prozesse wiederspiegelt. Die Ergebnisse bezüglich dem Verfolgen von individuellen und Gruppenzielen bestätigen die Annahme, dass dies jeweils den Umgang mit den individuellen Auswirkungen und eine Form von Collective Action wiederspiegelt. Die Ergebnisse bezüglich dem Verfolgen von Distanzierungszielen weisen darauf hin, dass dies zwar einen distinkten Prozess anzeigt, dieser Prozess jedoch nicht (ausschließlich) Distanzierung als ein unmittelbares (psychologisches) Verlassen der Gruppe darstellt. Alternative Interpretationen werden diskutiert. In Manuskript #2 wird anhand von zwei Online-Szenarioexperimenten in zwei Kontexten geprüft, ob die wahrgenommenen individuellen Diskriminierungsauswirkungen spezifisch das Verfolgen von individuellen Zielen in der Konfrontation hervorrufen und ob die wahrgenommene Abwertung der Gruppe spezifisch die Verfolgung von Gruppen- und Distanzierungszielen hervorruft. Ergänzend zu den Ergebnissen aus Manuskript #1 zeigt sich hier, dass eine Erhöhung des Ausmaßes an individuellem Nachteil spezifisch eine Konfrontation mit individuellen Zielen bewirkt, während eine Verringerung der Ambiguität bezüglich der Voreingenommenheit des Verursachers der Diskriminierung gegenüber der Gruppe spezifisch eine Konfrontation mit Gruppenzielen bewirkt. Die Ergebnisse bezüglich der Konfrontation mit Distanzierungszielen sind auch im experimentellen Design nicht mit der Annahme zu vereinbaren, dass dies eine Reaktion auf die Abwertung der Gruppe durch ein unmittelbares Verlassen der Gruppe darstellt. Die Diskussion der alternativen Interpretationen wird hier weitergeführt. Manuskript #3 fokussiert sich auf die Unterscheidung zwischen dem individuellen und dem Collective Action-Prozess. Hier wird untersucht, ob sich die Differenzierung von unterschiedlichen Prozessen auch bedeutsam in tatsächlichem Konfrontationsverhalten wiederspiegelt. In zwei aufwändigen Konföderierten-Experimenten (Experiment 1: Labor; Experiment 2: Online) wurde daher die Frage untersucht, ob konfrontationshemmenden Faktoren auf der individuellen Ebene (die Erwartung, dass die Konfrontation soziale Kosten für das Individuum mit sich bringt) den individuellen Prozess innerhalb Konfrontation stärker beeinflussen als den Collective-Action-Prozess innerhalb Konfrontation. Konkret sollte untersucht werden, ob individuellen sozialen Kosten eine niedrigere Bedeutung zukommt wenn die diskriminierte Person in einem stärkeren Ausmaß Gruppenziele verfolgt (im Vergleich zu weniger starkem Verfolgen von Gruppenzielen). Trotz aufwändiger Vortestungen und Anpassungen des Designs war die Manipulation der Erwartungen bezüglich der individuellen sozialen Kosten nicht ausreichend verhaltenswirksam, so dass die Interaktionshypothese nicht getestet werden konnte. Methodische Erklärungen hierfür sowie mögliche Ansätze für Folgestudien werden diskutiert. Abschließend werden sämtliche Studienergebnisse mit Blick auf das Modell integriert, deren Beiträge und Implikationen für die Literatur diskutiert sowie Ansätze für weiterführende Forschung aufgezeigt.

The present thesis examines targets‘ verbal opposition of an interpersonal discriminatory incident (confrontation). Previous research has conceptualized confrontation as an individually-motivated coping behavior. This approach assumes that the target only perceives individual disadvantage in a discriminatory incident and thus aims to improve only their personal situation through confrontation. Recent approaches have discussed that discrimination entails two outcomes: Not only is the target suffer an individual disadvantage; at the same time, the respective social group as a whole is being devalued. Therefore, the target is also affected by this group disadvantage and should be additionally motivated to cope with this component of discrimination. In this dissertation, I present a new model based on the Social Identity Approach that describes confrontation as the manifestation of distinct motivations: 1) Individual coping with the individual disadvantage, 2) Coping with the group disadvantage as a form of collective action, 3) Coping with the group disadvantage as a form of self-group distancing. Five correlational and four experimental studies tested this model and are presented in three manuscripts (NsManuscript #1 = 401/330/221/207/288; NsManuscript #2 = 241/284; NsManuscript #3 = 260/264). All studies follow open science-principles: power analyses determined sample sizes a priori, studies are preregistered together with transparent descriptions and justifications of deviations from the preregistrations (where necessary). Materials, data, analysis scripts, and outputs are provided publicly on appropriate platforms. Five online scenario studies presented in Manuscript #1 develop the Confrontation Goals-Scale as an operationalization of these different processes. Results across different samples, contexts, social groups, and language versions indicate that individual-benefitting, group-benefitting, and distancing confrontation goals are distinct, though correlated. Furthermore, correlations with other constructs (group identification, disidentification, further collective action intentions) suggest that the pursuits of these goals represent distinct psychological processes. Results regarding the pursuits of individual-benefitting and group-benefitting goals indicate that these represent indeed individual coping and collective action, respectively. However, results regarding the pursuit of distancing goals suggest that this represents a distinct process, but this process is not (entirely) a form of self-group distancing. Alternative interpretations are discussed. Two online scenario experiments in Manuscript #2 examine in two contexts whether individual disadvantage motivates specifically individual coping-processes in confrontation, while group disadvantage motivates specifically collective action-processes in confrontation. Extending results from Manuscript #1, a higher degree of perceived individual harm specifically increased the pursuit of individual-benefitting goals. In contrast, a lower level of ambiguity of the perpetrator’s bias against the group specifically increased the pursuit of group-benefitting goals. Results from these experiments also suggest that the pursuit of distancing goals does not represent self-group distancing as an immediate reaction to the group disadvantage. The discussion of alternative interpretations is continued. Manuscript #3 focuses on the distinction between individual coping- and collective action-process in confrontation. We examined whether the differentiation of these processes also has a meaningful effect on predicting actual confrontational behavior. Two experiments with confederates (Experiment 1: lab; Experiment 2: online) examined whether confrontation-inhibiting factors at the individual level (targets’ expectations that confrontation entails social costs for the individual) affect individual coping-processes within confrontation more strongly than collective action-processes within confrontation. Specifically, we investigated whether individual social cost-expectations are less critical when the targets pursue group confrontation goals more strongly (compared to targets who pursue group confrontation goals less strongly). Despite extensive pretesting and adaptions of the materials, the manipulation of social cost-expectations did not affect participants’ behavior; thus, we could not test the proposed interaction hypothesis. We discuss possible methodological reasons for this and suggest approaches for follow-up studies. Finally, I integrate all study results with regard to the model, discuss their contributions and implications for the literature, and present approaches for further research.

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Munder, Anja: Standing Up for Whom? A Social Identity Model for Targets’ Confrontation of a Discriminatory Incident. Hagen 2020. FernUniversität in Hagen.

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