Wieviel Kant steckt in Wilhelm Meisters Lehrjahren? : Eine Recherche zu Vernunft und Mündigkeit

Kammertöns, Christoph GND

Die Verknüpfung mit einem – konkret Kant verschriebenen – Verständnis von Aufklärung erscheint im Falle der beiden Wilhelm-Meister-Romane Johann Wolfgang von Goethes zunächst mehr als naheliegend. Goethe selbst hat sie in den ›Wanderjahren‹ ausdrücklich herstellt: »Kant hat uns aufmerksam gemacht, daß es eine Kritik der Vernunft gebe, daß dieses höchste Vermögen, was der Mensch besitzt, Ursache habe, über sich selbst zu wachen«. Sowohl über die ›Lehrjahre‹, in denen Kant nicht explizit aufgerufen wird, als auch über die wesentlich später entstandenen ›Wanderjahre‹ erstrecken sich wiederholte Bezugnahmen auf »Vernunft« und »Verstand« – mal alltagssprachlich, mal philosophisch verankert. Wenn zudem die ›Lehrjahre‹ als Bildungsroman aufzufassen sind, dann kann in der Tat ein Kantbezug nicht nur assoziativ oder dekorativ aufscheinen, sondern er müsste substantiell wirken. Habermas verweist für diesen Roman auf die Anlage eines synthetisierend angelegten Personenverständnisses als »gebildet[e] Persönlichkeit« im Sinne der neuhumanistischen »Idee der sich frei entfaltenden Persönlichkeit«. Vorliegender Aufsatz untersucht, inwiefern sich die Figur des Wilhelm Meister in den ›Lehrjahren‹ tatsächlich als vor dem Hintergrund eines Kant’schen Konzepts von Aufklärung und des Primats von Vernunft und Mündigkeit entfaltet begreifen lässt. Beschließend ergibt sich die Feststellung, dass Wilhelm sein »Glück« wohl nicht mit eigener Aufklärung und Mündigkeit erreicht hat oder mit diesen vertauschen möchte: Sein Modus bleibt die dankbare Affirmation.

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Kammertöns, Christoph: Wieviel Kant steckt in Wilhelm Meisters Lehrjahren?. Eine Recherche zu Vernunft und Mündigkeit. 2017.

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