Opfer, Subjekt und Repräsentation in Heinrich von Kleists Penthesilea

Heinrich von Kleists Penthesilea (1808) erscheint als Trauerspiel in antikem Gewand, doch weist Florian Stegmaier in seiner Untersuchung nach, dass auf dem Schlachtfeld bei Troja virulente Diskurse und Problemlagen der anbrechenden Moderne verhandelt werden: So lässt sich die Krise des Opferrituals als eine Krise des Subjekts lesen, die eine Krise der Repräsentation impliziert. Mit Rückgriff auf die Theorie des hybriden Subjekts und auf die zeitgenössische Subjektphilosophie zeigt die Untersuchung, inwieweit das irrationale Verhalten der Protagonistin Ausdruck einer prekären Subjektivität ist, die sich vor dem Hintergrund widersprüchlicher bürgerlicher Normen verorten lässt. Kleists Amazonendrama avanciert somit zu einer Tragödie der Sprache, denn wie Penthesilea eignet auch den sprachlichen Figuren des Texts eine Fallhöhe, die sich aus dem Spannungsverhältnis von Bildlichkeit und Wörtlichkeit ergibt.

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