Mediation mit Pflege- und Herkunftsfamilien zur gelingenden Förderung und Entwicklung von Pflegekindern

Pladt, Wolfgang

Das Contarini-Institut der FernUniversität in Hagen forscht in den Bereichen kooperativer Konfliktlösung, insbesondere der Mediation. Durch den Kontakt zwischen Wissenschaft und Praxis sollen Einsatzmöglichkeiten von Mediation zur Lösung von Konflikten analysiert und als kooperatives Konfliktlöseverfahren für alle Bereiche des Lebens ausgebaut werden. Die vorliegende Masterarbeit, die im Rahmen des Studiengangs Master of Mediation an der FernUniversität in Hagen erstellt wurde, untersucht mit einem Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit dem Contarini-Institut die Anwendung von Mediation im Bereich des Pflegekinderwesens. Mittels einer deutschlandweiten Onlinebefragung aller Jugendämter wurden die Fachexperten gehört, ob im Spannungsfeld Herkunftseltern – Pflegeeltern ein komplexes und störanfälliges Beziehungssystem entsteht, welches die Zusammenarbeit der beteiligten Eltern erschweren könnte. Anhand der Ergebnisse wird analysiert, ob und wie ein Mediationsverfahren wirksam eingesetzt werden kann, um Spannungen und Konflikte zwischen den beiden Elternparteien zu reduzieren und eine gelingende Kooperation zu erreichen. Die Ergebnisse zeigen, dass durch die Pflegeverhältnisse neue komplexe Familienformen entstehen und diese sehr konfliktanfällig sind. Die Befragten stimmten mehrheitlich zu, dass Mediation als wirksames Verfahren zur Konfliktlösung im Bereich Pflegekinderdienst durchaus eingesetzt werden kann. Das erforderliche Zusammenwirken zwischen Pflege- und Herkunftseltern gemäß SGB VIII, beispielsweise bei der Regelung von Umgangs- und Besuchskontakten, könnte konfliktfreier gestaltet und begleitet werden, was dem Schutz und dem Wohl der betroffenen Kinder dient. Die Ergebnisse zeigen außerdem, dass Mediation im Bereich Pflegekinderwesen neben Beratung, Einzelgesprächen oder durch Mitwirkung der Familiengerichte bisher erst vereinzelt angeboten wird. Informationen und Schulungen für Mediation, als eine Fortbildungsmaßnahme im Pflegekinderdienst, werden demnach nicht ausreichen, um die Potentiale von Mediation im Bereich Pflegekinderwesen optimal umzusetzen. In den Jugendämtern sind unterschiedliche Rahmenbedingungen für Mediation zu berücksichtigen. Es ist deshalb ein für das jeweilige Jugendamt im Bereich Pflegekinderwesen passende Konzept zu erarbeiten, das z.B. auch Fragen des Mediationsverfahrens, der Organisation, der Fallverantwortung, des Personals, der Schnittstellen und der notwendigen Einbindung von Mediation in ein Netzwerk aller beteiligten Fachkräfte klärt. Die vielen Teilnehmermeinungen aus der Onlinebefragung zeigen deutlich, dass ein großes Fachwissen in der Problematik von Konflikten zwischen beiden Familien vorliegt. Mit diesem Potential hat man die Basis und Voraussetzung, Konzepte für den Einsatz von Mediation im jeweiligen Jugendamt zu entwickeln und umzusetzen. Einige Jugendämter signalisieren, dass sie an einer gemeinsamen Konzeptentwicklung zur Integration von Mediation im Pflegekinderwesen interessiert sind und bei einem weiterführenden Forschungsprojekt mitarbeiten würden.

Vorschau

Zitieren

Zitierform:

Pladt, Wolfgang: Mediation mit Pflege- und Herkunftsfamilien zur gelingenden Förderung und Entwicklung von Pflegekindern. Hagen 2019. FernUniversität in Hagen.

Zugriffsstatistik

Gesamt

Volltextzugriffe:
Metadatenansicht:

12 Monate

Volltextzugriffe:
Metadatenansicht:

Rechte

Nutzung und Vervielfältigung:
Alle Rechte vorbehalten

Export

powered by MyCoRe