Heilsgeographie versus „realistische Darstellung der Welt“ auf den Mappae Mundi des Mittelalters?

Schmieder, Felicitas GND

Mittelalterliche Weltkarten (Mappae Mundi) sind ungewöhnliche Darstellungen geographischer Verhältnisse, wenn wir sie an unserem Kartenbegriff messen, denn sie scheinen die physische Erde nur unkorrekt darstellen zu können oder sogar zu wollen. Nach mittelalterlichem Verständnis sollten sie besser als Heilsgeographien betrachtet werden, gelesen nach den vier Schriftsinnen (nach denen gemäß mittelalterlicher Hermeneutik alle Darstellung von göttlichem Wort und Schöpfungswerk zu lesen sind): neben dem buchstäblichen Sinn sind das der allegorische (auf die Bedeutung von Gottes Werk verweisende), moralische (zum Handeln im Sinne von Gottes Plan auffordernde) und der eschatologische (auf die Vollendung der Heilsgeschichte blickende) Sinn. Alle vier Ebenen sind — oft nicht in unserem Sinne widerspruchsfrei — in die Weltkarten eingeschrieben und müssen bei deren Verständnis berücksichtigt werden. Mappae mundi sind damit durchaus auch realistisch, wenn man den Begriff der „Realität“ historisiert, anstatt ihn als aus dem modernen Verständnis ewigen Maßstab zu setzen.

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Schmieder, Felicitas: Heilsgeographie versus „realistische Darstellung der Welt“ auf den Mappae Mundi des Mittelalters?. 2017.

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