Entwicklung einer innovativen Autorenumgebung für die universitäre Fernlehre

Wallenborn, Benjamin

1999 wurde die europäische Hochschulreform im namensgebenden italienischen Bologna mit dem Teilziel unterzeichnet, eine bessere Vergleichbarkeit von Qualifikationen (von Studienabschlüssen, aber auch Modulen) im europäischen Raum zu erreichen. Statt die Vergleichbarkeit zwischen Hochschulen zu erhöhen und die Mobilität zu fördern, hat sich die Situation seit Inkrafttreten von Bologna jedoch eher verschärft, insbesondere aufgrund der bis heute fehlenden Normung bei der Beschreibung von Qualifikationen und der deutlichen Zunahme an neuen Studiengängen und eingeschriebenen Studierenden. Nach näherer Betrachtung der Probleme, denen Hochschulen seit Bologna ausgesetzt sind, und insbesondere nach dem genaueren Beleuchten der Infrastruktur von Hochschulen wurden weitere Problembereiche aufgedeckt, aus denen sich zusammen mit den Problemen der mangelhaften Vergleichbarkeit von Qualifikationen die Forschungsziele (FZe) der Arbeit ableiteten. Erstes Forschungsziel (FZ1) war dabei die Bereitstellung eines Modells, das eine hochschulübergreifende Vergleichbarkeit der Qualifikationen von Studiengängen, Modulen und Kursen (SMKen) ermöglicht. FZ2 war die Bereitstellung einfacher und komfortabler Autorenwerkzeuge (AWe) für die Erstellung qualifikationsbasierter Kurse und FZ3 die Bereitstellung qualifikationsbasierter AWe für die einfache und komfortable Erstellung von Studiengängen. Bei FZ2 und FZ3 sollte neben der Unterstützung aus Produzentensicht auch die Konsumentensicht konzeptionell mit angedacht und auch prototypisch in Ansätzen mit realisiert werden, insbesondere um SMKe von Konsumenten auch belegen und ausführen lassen zu können. Als Zielsystem für die AWe für Kurse wurde die Lernplattform (engl. Learning Management System, LMS) Moodle gewählt. Im Rahmen von FZ1 wurde mit dem qualifikationsbasierten Lernmodell (engl. Qualification Based Learning Model, QBLM) ein Modell konzipiert, das auf bereits existierenden Modellen aufbaut und die Vergleichbarkeit von Qualifikationen ermöglicht. Zur Erreichung von FZ2 wurde das Wissensmanagement-Ökosystemportal (engl. Knowledge Management Ecosystem Portal, KM-EP) als geeignetste Plattform identifiziert, insbesondere da es bereits einfache und komfortable AWe für Kurse bot und sich aufgrund des modularen Aufbaus gut für die Bewältigung offener Herausforderungen im Rahmen von FZ2 und FZ3 eignete. Zur Erreichung von FZ2 wurden mit dem Kompetenzmanager und dem Kompetenzprofilmanager zwei Werkzeuge konzipiert und entwickelt, die einen software-gestützten Einsatz von Qualifikationen gemäß dem QBLM an Hochschulen überhaupt erst ermöglichen. Eine weitere verbliebene Herausforderung bei FZ2 war, die Erweiterung existierender AWe für Kurse des KM-EP um die Möglichkeit diese mit Lernzielen sowie Zugangsvoraussetzungen in Form von Kompetenzprofilen versehen zu können. Im Rahmen von FZ3 konnten keine geeigneten AWe für Studiengänge identifiziert werden, weshalb diese von Grund auf neu konzipiert und entwickelt wurden. Für Konsumenten wurden im Rahmen von FZ2 und FZ3 Werkzeuge entwickelt, um sich als Studierender zu registrieren, sich in Studiengänge einzuschreiben, Kurse zu wählen und den eigenen Lernfortschritt einsehen zu können. Die AWe für SMKe wurden nach der Entwicklung in einer initialen Evaluation im Rahmen eines Cognitive Walkthrough untersucht, wobei bei allen AWen Fehler und Verbesserungsvorschläge identifiziert wurden, die anschließend behoben bzw. umgesetzt wurden und so zu fehlerbereinigten und optimierten Werkzeugen führten. Die AWe für Kurse wurden anschließend in einer abschließenden, vergleichenden Evaluation den AWen von Moodle gegenübergestellt, um die Frage zu klären, ob die Werkzeuge des KM-EP für Kurse tatsächlich eine einfachere und komfortablere Möglichkeit bieten, qualifikationsbasierte Kurse zu erstellen, als herkömmliche AWe. Ergebnis war, dass mit den KM-EP-AWen für Kurse die Abarbeitung deutlich schneller vonstattenging und als einfacher und komfortabler beurteilt wurde, wenngleich noch Verbesserungspotential besteht. Im Rahmen der Arbeit wurde die in FZ1 angestrebte Vergleichbarkeit von Qualifikationen durch das QBLM ermöglicht, ferner lassen die in FZ2 und FZ3 bereitgestellten AWe den softwaregestützten Einsatz von Qualifikationen ebenso zu wie die einfache und komfortable Erstellung qualifikationsbasierter SMKe. Damit wurde die Grundlage geschaffen, um die Vergleichbarkeit von Qualifikationen hochschulübergreifend und auch EU-weit zu adressieren.

In 1999, the European higher education reform was signed in Bologna, Italy, the city after which it was named. Its aim was in part to simplify the comparability of qualifications (of degrees as well as modules) within Europe. However, rather than improving the comparability of higher education institutions, the situation has become more the opposite since Bologna came into effect. In particular, as a result of the still lacking standardisation in the description of qualifications and the clear increase in new courses and students enrolled. Upon closer inspection of the problem faced by higher education institutions since Bologna, and in particular upon more precise examination of the infrastructure of higher education institutions, further problem areas have been identified, which, combined with the problems of poor comparability of qualifications, have led to the research objectives of this work. The first research objective was to provide a model that allows comparability of the qualifications of degree programmes, modules, and courses across higher education institutions. The second research objective was to provide simple and convenient authoring tools to create qualification-based courses, and the third was to provide qualification-based authoring tools for simple and convenient degree programme creation. For research objectives two and three, as well as supporting the producer’s perspective, the consumer’s view should also be considered and implemented prototypically in approaches, in particular in order to also be able to document and carry out degree programmes, modules, and courses by consumers. The Learning Management System Moodle was selected as the target system for the authoring tools for courses. For the first research objective, through the use of the Qualification Based Learning Model (QBLM), a model was developed that builds on existing models and enables the comparability of qualifications. To achieve the second research objective, the Knowledge Management Ecosystem Portal (KM-EP) was identified as the most suitable platform, in particular as it already offered simple and convenient authoring tools for courses, and, thanks to its modular structure, was well suited to the development of open challenges for research objectives two and three. In order to achieve the second research objective, two tools were designed and developed as an open challenge with the competence manager and competence profile manager, which make software-supported use of qualifications in line with the QBLM at higher education institutions possible in the first place. A further remaining challenge with the second research objective was to extend the existing authoring tool for KM-EP courses in order to create qualification-based courses, i.e. to be able to provide them with learning objectives as well as admission requirements in the form of competence profiles. In the context of the third research objective, it was not possible to identify suitable authoring tools for study programmes, which is why they were designed and developed from scratch. For consumers tools have been developed for research objectives two and three to enrol students, enrol in study programmes, choose courses, and view the progression of their own learning. The authoring tools for degree programmes, modules, and courses were examined after the development in the initial evaluation within the Cognitive Walkthrough, whereby all authoring tool errors and suggestions for improvement were identified. They were subsequently resolved and thus led to error-corrected and optimised tools. The authoring tools for courses were then contrasted with Moodle’s authoring tools in a final comparative evaluation to clarify whether the KM-EP’s tools for courses do indeed offer a simpler and more convenient way of creating skill-based courses than traditional authoring tools. The result was that the KM-EP authoring tools for courses made the processing significantly quicker and was judged to be simpler and more convenient if improvement potential was identified at the same time. For research objective one, the objective of making possible the comparability of qualifications with QBLM was achieved, as well as the authoring tools provided for research objectives two and three, to enable the software-based use of qualifications as well as the simple and convenient creation of skill-based degree programmes, modules, and courses. This lays the foundations for addressing the issue of comparability of qualifications between higher education institutions across the EU.

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Wallenborn, Benjamin: Entwicklung einer innovativen Autorenumgebung für die universitäre Fernlehre. 2018. FernUniversität in Hagen.

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