China's Radio & TV Universities and the British Open University : a comparative perspective

Wei, Runfang

Chinas Radio & TV Universitäten (CRTVUs) sind Fernstudieneinrichtungen in Verbundform, beste­hend aus 44 einzelnen Fernuniversitäten. Sie wurden im Jahre 1979 nach dem Modell der britischen Open University (BOU) errichtet. Obwohl beide Fernstudiensysteme ähnlich strukturiert sind und beim Lehrpersonal die gleiche Auffassung von Fernstudium geteilt wird, ist die Fernstudienpraxis in China und Großbritannien recht unterschiedlich. Welche Gründe sind hierfür maßgeblich? Ziel des Beitrags von Runfang ist es daher nach einer Antwort auf diese Frage zu suchen. Der Autor geht dabei folgendermaßen vor: Das britische und chinesische Fernstudiensystem werden im Hinblick auf ihre Entstehung, Entwick­lung und Aktivitäten einer komparativen Analyse unterzogen, begleitet von einer Beurteilung spezifi­scher Bereiche (Programme, Lehre und Lernen, Lernersituation etc.) beider Systeme. Dabei gilt es u.a., die Hauptfaktoren, welche die allgemeinen Muster dieser beiden universitären Fernstudiensys­teme prägen, zu ermitteln und näher zu beleuchten. Es ist davon auszugehen, dass die erwähnten Unterschiede aus Einflüssen des jeweiligen soziopolitischen wie kulturellen Background resultieren, die auch für das betreffende Fernstudiensystem prägend waren. Runfang setzt sich bei dem Vergleich der Fernstudiensysteme Chinas und Großbritanniens mit vier inhaltlichen Schwerpunkten auseinander: (1) Hintergrund und Kontakt beider Fernstudiensysteme; (2) Programme, Lerner, Lehren und Lernen; (3) Bedeutung und Rolle der chinesischen Fernuniversitäten; (4) Bedeutung und Rolle der britischen Open University. Die einzelnen Inhaltsaspekte werden mit Hilfe eines Kategorienschemas dargestellt und verglichen; es setzt sich wie folgt zusammen: soziografische und ökonomische Merkmale (z.B. Bevölkerungsgröße, Bruttoinlandsprodukt, Kosten­struktur der Fernstudienproduktion und Betriebs von Fernstudieneinrichtungen); institutionelle Merkmale: α) Institutionsziele, β) Organisations- und Führungsstruktur, γ) Verteilung des Studienangebots, δ) Grad der wissenschaftlichen Autonomie; Lernermerkmale; Studiersystem (Zertifizierung, Studiendauer etc.); Studienmaterial (Struktur, Produktion etc.); Lehr-/Lernkonzepte. Der Vergleich beider Systeme bezüglich der in ihnen ablaufenden Aktivitäten zeigt, dass Fernstudium in beiden Fernuniversitäten verschiedene Dinge bedeutet. Dies veranlasst den Autor in den Vergleich der Fernstudiensysteme Chinas und Englands die jeweiligen nationalen Systeme der Hochschulbil­dung einzubeziehen, ferner den Zusammenhang von Hochschulbildung und politischer sowie sozio­ökonomischer Entwicklung auszuloten und darüber hinaus eine Analyse der Art und Rolle dieser Systeme in ihrem spezifischen Kontext vorzunehmen. Kennzeichnend für die chinesischen Fernuniversitäten ist das Zentralisierungsprinzip hinsichtlich Gesamtplanung und Entscheidungsbildung, wobei diese einer sozialistischen Ausrichtung unterliegen; ferner die Vereinheitlichung wichtiger Aufgaben, z.B. die Betonung des Polytechnizismus bei der Cur­riculumgestaltung, die Präferierung der Berufsbildung ebenso wie die traditionelle Art und Weise des Gruppenlernens (Klassenunterricht mit Einsatz von Multimedia), Zulassung, Graduierung etc. Hingegen handelt es sich bei der BOU (gegr. 1969) u.a. um eine autonome Einrichtung - den liberalen Prinzipien verpflichtet - mit eigener Entscheidungsbefugnis, einem integrierten Lehrsystem auf Fern­studienbasis mit an individuellen Bedürfnissen orientierten Kursangeboten in Verbindung mit Multi­media und Selbststudium, wobei der Individualismus als prägendes Moment zum Ausdruck kommt. Runfang ist der Auffassung, dass beiden Fernstudieneinrichtungen gemeinsam ist, bei ihrer Gründung mit ins Kalkül gezogen zu haben, was die Prägung sowohl durch die besonderen Bedingungen des Landes als auch durch die Repräsentation ihrer eigenen nationalen Charakteristika anbelangt. In der Gesamtschau vermittelt sich dem Autor die Erkenntnis, dass unabhängig vom Entwicklungs­stand eines Landes die Entstehung, Entwicklung, Anpassung und Reagibilität des universitären Fern­studiums nicht allein durch historische Begleitumstände geprägt worden seien, sondern auch durch den Gesellschaftstyp, in dem sie sich vollziehen. Bekanntermaßen zeigen unterschiedliche Gesell­schaftstypen verschiedenartige Ausprägungen des Fernstudiums. So verdeutlichen Unterschiede entwicklungsmäßiger, aber auch soziopolitischer Art zwischen China und England, dass damit unter­schiedliche Anforderungen (Ziele, Handlungsstrategien etc.) an die Funktionsweise des jeweiligen Fernstudiensystems einhergehen und auf diese Weise zur Ausbildung dessen spezifischer Merkmale beitragen. Im Fall der BOU handelt es sich in diesem Sinne um eine selbständige, demokratisch ver­fasste Fernuniversität, die den individualistisch-liberalen Grundsätzen verpflichtet ist. Auch die Ähnlichkeit der Aufgaben sagt nichts über die Existenz derselben Ideen und Ansichten bei der Einrichtung des Fernstudiensystems in China und Großbritannien aus, was auf eine Unterschied­lichkeit der hier zugrunde liegenden Philosophien zurückzuführen ist und zur Entstehung unterschied­licher Grundsätze, welche die Praxis und Aktivitäten dieser zwei Fernstudiensysteme bestimmen, beitrug bis hin zu verschiedenartigen Strukturbildungen in Bereichen wie Management und Organisa­tion, Fernstudienproduktion, Lehre und Lernen etc.

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Wei, Runfang: China's Radio & TV Universities and the British Open University. a comparative perspective. 1997.

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