Prosoziale Emotionen und interkulturelles Helfen

Siem, Birte GND

In zwei Studien wurde die Bedeutung der wahr genommenen interkulturellen (Un)Ähnlichkeit für emotionale Prozesse, die Mitglieder der Aufnahmegesellschaft zur Unterstützung von Immigranten im Rahmen eines Ehrenamtle rprogramms bewegen, untersucht. In der Hauptuntersuchung wurde ein Laborexperiment mit einem längsschnittlichen Felddesign mit insgesamt drei Messzeitpunkten kombiniert, um den Einfluss der wahrgenommenen interkulturellen (Un)Ähnlichkeit auf die motivationale Bedeutung zweier prosozialer Emotionen – Empathie und interpersonale Attraktion – zu analys ieren. Zum ersten Messzeitpunkt nahmen 116 Ehrenamtler an dem Laborexperiment teil, in dem sie mit einem fiktiven Immigranten konfrontiert wurden. Die Ergebnisse standen im Einklang mit den Erwartungen: Empathie erwies sich für diejenigen Ehrenamtler, denen ein fiktiver Immigrant aus einem der Aufnahmegesellschaft in kultureller Hinsicht eher ähnlichen Land präsentiert wurde, als ein stärkerer Prädiktor der Unterstützungsbereitschaft als für diejenigen, die mit einem fiktiven Immigranten aus einem kulturell eher unähnlichen Land konfrontiert wurden. Für interpersonale Attraktion konnte, eben falls wie vorhergesagt, ein umgekehrtes Ergebnismuster beobachtet werden. Die Ergebnisse konnten durch Analysen der zum zweiten und dritten Messzeitpunkt (drei bzw. sechs Monate später) im Kontext der tatsächlichen Ehrenamtler-Immigranten-Beziehungen erhobenen Daten repliziert und erweitert werden. Darüber hinaus stützten die Ergebnisse weiterer Analysen zum Wirkmechanismus interpersonaler Attraktion und zur Rolle des wahrgenommenen persönlichen Nutzens des Ehrenamts sowie die Ergebnisse von Antwortlatenzanalysen die Annahme unterschiedlicher motivationaler Prozesse in Abhängigkeit von der interkulturellen (Un)Ähnlichkeit. Das auf den Ergebnissen der Hauptuntersuchung aufbauende Folgeexperiment hatte zum Ziel, die Wirksamkeit einer Rekategorisierungs-Intervention zur Förderung empathiebasierten Helfens gegenüber Mitgliedern einer kulturell unähnlichen Immigrantengruppe zu explorieren. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass mit der Intervention tatsächlich das angestrebte Ziel erreicht werden konnte; sie weisen jedoch auch auf unintendierte mögliche Nebeneffekte von Rekategorisierungsprozessen hin. In der abschließenden Diskussion werden Anknüpfungspunkte für zukünftige Forschung aufgezeigt und die Ergebnisse der Arbeit in ein allgemeineres Zwei-Pfade-Modell zu Fremdgruppenhelfen integriert. Außerdem werden einige Anwendungsimplikationen der vorliegenden Arbeit unterbreitet.

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Siem, Birte: Prosoziale Emotionen und interkulturelles Helfen. Hagen 2008. FernUniversität in Hagen.

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