Integrationsbemühungen von Organisation und Individuum

Gers, Thomas GND

In den 80ern und Anfangs der 90er des vergangenen Jahrhunderts gab es in der Bundesrepublik einige empirische Untersuchungen zum Thema der Integration neuer Mitarbeiter in Unternehmen bzw. Organisationen (zb. Kieser, Rehn, Hanft). Danach verschwand das Sujet aus dem Focus der Betrachtung. In Anbetracht der demographischen Entwicklung und des erwartbaren Mangels an qualifizierten Mitarbeitern wird es für Unternehmen zu einem Wettbewerbsfaktor, neue Mitarbeiter schnell, effektiv und dauerhaft in das Unternehmen zu integrieren. Die vorliegende Untersuchung aus dem Jahre 2006 greift die seinerzeitigen Ergebnisse auf und überprüft sie im Rahmen von zwei Befragungen mit insgesamt 40 Probanden. Der erste Untersuchungsschritt geht der Frage nach, inwieweit sich eine methodengestützte Integration von Neulingen in die Organisation erkennen lässt. Dem liegt die Hypothese zugrunde, dass von einer flächendeckenden Anwendung wissenschaftlich entwickelter und valider Instrumente, Techniken, Methoden, Verfahren etc. durch Organisationen und/oder Unternehmen zur Integration neuer Mitarbeiter nicht die Rede sein. kann Zumeist wird die Aufnahme in die Organisation und damit auch der Neuling sich selbst überlassen. Sofern tatsächlich Methoden angewendet werden, geschieht dies punktuell, unsystematisch und/oder schlicht falsch. Eine durchdachte und konzipierte Integration, womöglich sogar im Rahmen eines Integrationsprogramms stellt die Ausnahme dar. Diese Annahme spiegelt im Wesentlichen die Ergebnisse der früheren Studien wieder und mutmasst, dass sich seitdem nur wenig verändert hat. Die im Rahmen der Studie verarbeiteten Informationen wurden per Fragebogen von Kandidaten erhoben, die in einem dreijährigen Zeitraum vor Beginn der Studie neu in eine Organisation eingetreten waren. Unabhängig hiervon wurde in einem zweiten Untersuchungsschritt im Rahmen qualitativer Interviews erhoben, inwieweit Neulinge aktiv ihre Integration in die Organisation verfolgen. Dieser Untersuchungsteil folgt der Hypothese, dass neue Mitarbeiter nicht tatenlos zusehen, wenn ihnen in der Anfangsphase mit Gleichgültigkeit, Vernachlässigung und Isolation begegnet wird. Dem menschlichen Bedürfnis nach Affiliation, Anerkennung und Selbstbestätigung entsprechend werden sie selbstständig Maßnahmen zum Zwecke der Integration ergreifen. Zuvor allerdings erfolgt eine Phase des Abwägens, ob der Verbleib in oder das Ausscheiden aus der Organisation die sinnvolle Vorgehensweise ist. Dieser Analyse liegt die Theorie sozialer Unterstützung zugrunde. Fazit: Das Repertoire integrativer Maßnahmen in Unternehmen ist nach wie vor gering ausgeprägt. Diesen Mangel können aktive Schritte der neuen Mitarbeiter nur bedingt ausgleichen. Sie kommen meist zu spät, sind beliebig und punktuell und womöglich deshalb auch häufig unergiebig.

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Gers, Thomas: Integrationsbemühungen von Organisation und Individuum. Hagen 2006. FernUniversität in Hagen.

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